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Kräutertee-Beutel und Teekanne auf dem Fenstertisch der Apotheke
Erkältung oder Grippe erkennenWinterlicht am Fenster

Woran Sie den Unterschied erkennen

Der zuverlässigste Hinweis ist nicht ein einzelnes Symptom, sondern das Tempo.

Eine Erkältung schleicht sich an. Am Morgen kratzt der Hals, am Abend läuft die Nase, am nächsten Tag kommt der Husten dazu. Fieber ist selten oder bleibt niedrig. Man fühlt sich schlapp, kann aber meistens noch funktionieren. Nach etwa einer Woche geht es deutlich besser, der Husten hält oft noch etwas länger an.

Eine Grippe kommt wie ein Schlag. Viele können die Stunde nennen, in der es losging. Typisch sind hohes Fieber, Schüttelfrost, starke Kopf- und Gliederschmerzen, trockener Husten und eine Erschöpfung, die einen tatsächlich ins Bett zwingt. Das zieht sich über eine gute Woche, und die Müdigkeit hängt oft noch Wochen nach.

Merkmal Erkältung Grippe
Beginn schleichend plötzlich, oft stundengenau
Fieber selten oder niedrig hoch, mit Schüttelfrost
Gliederschmerzen leicht stark
Dauer rund eine Woche eine gute Woche, Müdigkeit hält an
Alltag meist möglich nicht möglich

Gut zu wissen

Erkältung: langsam und eher mild. Grippe: plötzlich, mit hohem Fieber und einem Krankheitsgefühl, das keine Diskussion zulässt. Wenn Sie unsicher sind, ist genau das die Frage, die wir am Tresen in zwei Minuten klären.

Was tatsächlich hilft

Beides wird von Viren verursacht. Deshalb helfen Antibiotika in beiden Fällen nicht. Sie wirken gegen Bakterien und richten gegen Erkältungs- oder Grippeviren nichts aus. Ärztin oder Arzt verschreiben sie nur, wenn zusätzlich eine bakterielle Infektion dazukommt, etwa eine Mittelohr- oder Nebenhöhlenentzündung.

Was tatsächlich etwas bringt:

  • Trinken. Nicht literweise auf Kommando, aber regelmässig. Bei Fieber verliert der Körper mehr Flüssigkeit als sonst.
  • Ruhe. Der oft gehörte Satz, man müsse eine Erkältung „auslaufen lassen“, stimmt insofern, als der Körper Zeit braucht. Wer mit Fieber arbeiten geht, verlängert die Sache meist.
  • Symptome lindern. Abschwellende Nasensprays für wenige Tage, Schmerz- und Fiebermittel, Lutschtabletten bei Halsweh, Inhalieren. Das heilt nichts, macht die Woche aber erträglicher.
  • Salzwasser-Nasenspülung. Unspektakulär, günstig, hilft vielen mehr als das dritte Kombipräparat.

Wovon wir eher abraten: von Kombipräparaten, die fünf Wirkstoffe auf einmal enthalten, wenn Sie nur zwei Beschwerden haben. Sie nehmen dann Substanzen ein, die Sie nicht brauchen, und die sich mit anderen Medikamenten in die Quere kommen können.

Aus der Beratung

Nach Kombipräparaten wird oft gefragt. Genau davon rate ich regelmässig ab, wenn jemand nur ein einziges Symptom hat. Dann behandeln Sie drei Dinge mit, die gar nicht da sind.

Wann Sie besser zum Arzt gehen

Die Apotheke ist die richtige erste Adresse. Es gibt aber Situationen, in denen wir Sie weiterschicken, und das sagen wir dann auch klar:

  • Atemnot oder Schmerzen beim Atmen
  • Fieber über drei Tage oder Fieber, das nach Besserung erneut ansteigt
  • Verwirrtheit, Benommenheit, anhaltendes Erbrechen
  • Beschwerden bei Säuglingen und Kleinkindern, in der Schwangerschaft oder bei chronischen Erkrankungen von Herz, Lunge oder Immunsystem
  • Wenn es Ihnen nach einer Woche nicht langsam besser, sondern schlechter geht

Der zweite Punkt ist der wichtigste und der am häufigsten übersehene: Wenn es erst aufwärts geht und dann wieder abwärts, kann sich eine bakterielle Infektion aufgesetzt haben. Das gehört abgeklärt.

Was bei Kindern gilt und ab wann es in ärztliche Hände gehört, steht unter Für Kinder und Familien.

Lohnt sich die Grippeimpfung?

Die Grippeimpfung wird jährlich empfohlen, weil sich die zirkulierenden Virusstämme verändern. Besonders empfohlen wird sie Personen ab 65 Jahren, Menschen mit chronischen Erkrankungen, Schwangeren (dafür bei der Ärztin, nicht bei uns) sowie allen, die beruflich oder privat engen Kontakt zu Risikopersonen haben.

Der beste Zeitpunkt liegt zwischen Mitte Oktober und Ende November, damit der Schutz steht, bevor die Welle rollt. Später ist immer noch besser als gar nicht.

Die Impfung enthält keine vermehrungsfähigen Viren, man kann von ihr also keine Grippe bekommen. Sie schützt vor Influenza. Die zwei bis drei Erkältungen, die man pro Jahr ohnehin hat, verhindert sie nicht. Wer im November geimpft wird und im Dezember Schnupfen bekommt, hat schlicht eine Erkältung.

Bei uns können Sie sich ohne Arzttermin impfen lassen, sofern Sie gesund und mindestens 16 Jahre alt sind. In der Schwangerschaft, bei einer chronischen Erkrankung und bei Kindern ist die Ärztin zuständig. Das ist die geltende Regelung und keine Zurückhaltung von uns. Mehr dazu unter Impfungen.

Aus der Beratung

Der häufigste Einwand gegen die Grippeimpfung ist, dass man trotzdem krank geworden sei. Meine Antwort darauf: Die Impfung schützt nicht vor der Ansteckung, sie macht aber den Verlauf milder.

Wie Sie sich und andere schützen

Womit die Leute bei uns regelmässig zu spät sind, ist die Vorbeugung. Nichts davon ist neu, aber es wirkt: Hände waschen, in die Armbeuge husten, bei Fieber zu Hause bleiben, Räume lüften. Der letzte Punkt wird unterschätzt. Trockene Heizungsluft macht die Schleimhäute durchlässiger, und genau darüber kommen die Viren herein.

Wenn Sie mit älteren Angehörigen zusammenleben oder sie besuchen, ist die Grippeimpfung auch eine Rücksichtnahme. Ein gesunder Erwachsener steckt eine Grippe weg. Für eine 82-jährige Person mit Herzschwäche ist es eine ernsthafte Sache.

Wichtig

Bei Atemnot, hohem anhaltendem Fieber oder Verschlechterung nach anfänglicher Besserung gehören Sie in ärztliche Abklärung.

Stand August 2026. Impfempfehlungen gemäss Schweizerischem Impfplan des BAG.

Über die AutorinTamara Ringger

Geschäftsleitung und Fachfrau Apotheke EFZ, mit Weiterbildungen in Biochemie nach Dr. Schüssler und der Bachblüten-Ausbildung der Bach-Stiftung. Ausbilderin und Prüfungsexpertin – wer bei uns die Lehre machen möchte, wird von ihr begleitet.

Fachlich geprüft von unserem Fachteam. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Diagnose.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Erkältung und Grippe

Kann ich mit einer Erkältung Sport machen?

Bei leichtem Schnupfen ohne Fieber spricht wenig gegen einen Spaziergang. Bei Fieber, Gliederschmerzen oder Husten mit Auswurf ist Sport tabu. Der Herzmuskel kann bei einem Infekt mitbetroffen sein, und das ist der Grund, warum diese Regel keine Vorsichtsfloskel ist.

Wie lange bin ich ansteckend?

Bei einer Erkältung meist ein bis zwei Tage vor den ersten Beschwerden und dann etwa eine Woche. Bei Grippe beginnt die Ansteckungsfähigkeit rund einen Tag vor Symptombeginn und dauert etwa fünf bis sieben Tage, bei Kindern oft länger.

Ich nehme regelmässig Medikamente. Kann ich einfach ein Erkältungsmittel dazunehmen?

Fragen Sie vorher. Abschwellende Mittel etwa können den Blutdruck erhöhen, manche Schmerzmittel vertragen sich schlecht mit Blutverdünnern. Bringen Sie Ihre Medikamentenliste mit, dann sehen wir es in einer Minute.

Hilft Vitamin C gegen Erkältung?

Die Studienlage zeigt keinen überzeugenden Effekt auf die Häufigkeit von Erkältungen bei Menschen mit normaler Versorgung. Ein leichter Effekt auf die Dauer wird diskutiert. Wir verkaufen es Ihnen gern, wenn Sie es möchten, aber wir behaupten nicht, dass es Sie vor der Erkältung bewahrt.

Was ist mit Zink?

Zink früh eingenommen kann die Dauer möglicherweise etwas verkürzen. „Möglicherweise“ ist hier die ehrliche Formulierung. Wichtig ist der frühe Beginn, nach drei Tagen bringt es nichts mehr.

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Vorsorge

Die Grippeimpfung gibt es bei uns ohne Arzttermin.

Für gesunde Personen ab 16 Jahren. Bester Zeitpunkt ist Mitte Oktober bis Ende November, Impfbüchlein mitbringen.